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26. Oktober 2026
Ex Silico.
HintergrundKünstliche Intelligenz

Muse Wonder: Meta schließt zur KI-Spitze auf

Mit Muse Wonder und Wonder Full hat Meta erstmals KI-Modelle auf Augenhöhe mit OpenAI, Anthropic und Google. Unabhängige Messungen sehen sie knapp hinter der Spitze. Der Zugang kostet Geld, und für Europa ist vieles offen.

Eingangsschild am Hauptsitz von Meta Platforms in Menlo Park, Kalifornien
Eingang zum Meta-Hauptsitz in Menlo Park, Kalifornien (Archivbild, März 2022). Foto: LPS.1 / Wikimedia Commons, CC0CC0 1.0 Public Domain Dedication · . Nachweis (öffnet in neuem Tab)

Meta hat am Montag, 12. Oktober, zwei neue große Sprachmodelle veröffentlicht: Muse Wonder und Muse Wonder Full. Solche Modelle sind die Grundlage für Chatbots, Programmierhilfen und KI-Agenten, die selbstständig Aufgaben erledigen. Die beiden Wonder-Modelle verarbeiten Text, Bilder, Audio und Video und antworten in Textform. Entwickelt hat sie Meta Superintelligence Labs (MSL), die KI-Sparte des Konzerns unter Alexandr Wang. Meta bezeichnet sie als seine ersten Frontier-Modelle, also als Modelle auf dem Niveau der leistungsfähigsten Systeme von OpenAI, Anthropic und Google.[e][f]

Unabhängige Messungen geben Meta weitgehend recht, aber nicht ganz. Im Intelligence Index des Analysehauses Artificial Analysis erreicht Wonder Full 56 Punkte. Das ist gleichauf mit Claude Sonnet 5.5 und zwei Punkte hinter Claude Opus 5.5, das mit 58 Punkten führt. Meta ist damit erstmals in der Spitzengruppe angekommen, an der Spitze steht es nicht.[a]

Was die unabhängigen Zahlen zeigen

Artificial Analysis fasst viele Einzeltests zu einem Gesamtwert zusammen. Wonder Full liegt dort laut eigener Modellseite auf Platz 4 von 689 erfassten Modellen.[h] Zum Vergleich: GPT-6 Astra, Gemini 4 Argon und Claude Fable 5.1 kommen in der Rangliste auf je 53 Punkte, das kleinere Muse Wonder auf 52 Punkte.[a]

Daten & Kontext01Knapp hinter der SpitzeArtificial Analysis Intelligence Index, Oktober 2026, Auswahl verglichener Modelle in der jeweils höchsten Reasoning-Stufe (höher ist besser). Quelle: Artificial Analysis
Einheit: Indexpunkte
Mit ← und → Werte erkunden. Esc schließt den Hinweis.

Gesamtindex von Artificial Analysis für ausgewählte Spitzenmodelle, jeweils in der höchsten gelisteten Reasoning-Stufe, direkt aus der Rangliste von Artificial Analysis.

Metas eigene Modellkarte zeichnet ein gemischtes Bild. Bei juristischen Aufgaben (Harvey LAB-AA) erreicht Wonder Full 13,1 Punkte, Claude Opus 5.5 nur 4,2. Beim lang laufenden Programmieren (SWE-Marathon) liegt Wonder Full mit 57,5 deutlich vor Opus 5.5 mit 46,3. Bei Kommandozeilen-Aufgaben (Terminal-Bench 4.0) und medizinischen Fragen (HealthBench Pro) liegen dagegen Opus 5.5 und GPT-6 Astra vorn. Die Tabelle mischt allerdings Messungen Dritter, Metas eigene Tests und Herstellerangaben; einige Programmiervergleiche liefen mit unterschiedlichen Werkzeugen.[f]

Auch der hohe Wert bei Rechtsaufgaben ist relativ: 13,1 Punkte zeigen vor allem, dass KI-Agenten mit vollständig brauchbaren juristischen Arbeitsergebnissen weiterhin Schwierigkeiten haben.[f] Dass Wonder im Gedächtnistest MemoryBench die Konkurrenz schlage, ist bislang eine Angabe von Meta.[e]

Active Memory und Active Focus

Porträt von Alexandr Wang, Chief AI Officer von Meta
Alexandr Wang leitet Meta Superintelligence Labs, die Muse Wonder entwickelt haben (Archivbild, Juli 2025). Foto: Meta Platforms, Inc. / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten CC BY-SA 4.0 · Bearbeitung (Zuschnitt) unter gleicher Lizenz. Nachweis (öffnet in neuem Tab)

Alexandr Wang leitet Meta Superintelligence Labs, die Muse Wonder entwickelt haben (Archivbild, Juli 2025). Foto: Meta Platforms, Inc. / Wikimedia Commons (öffnet in neuem Tab), CC BY-SA 4.0 (öffnet in neuem Tab), zugeschnitten

Meta positioniert die Modelle vor allem für Agenten, also für KI, die mehrstufige Aufgaben über mehrere Apps hinweg erledigt. Zwei Funktionen stellt der Konzern dabei heraus. „Active Memory“ soll wichtige Informationen über einzelne Gespräche hinaus behalten und bei späteren Aufgaben wieder abrufen. „Active Focus“ soll ein Ziel auch dann weiterverfolgen, wenn ein erster Ansatz scheitert: Das Modell probiert Alternativen, fragt bei Unklarheiten nach und holt vor wichtigen Aktionen eine Bestätigung ein.[d]

Meta räumt selbst ein, dass die Modelle bei ungewohnten mehrstufigen Aufgaben Fehler machen und dass ihre Leistung stark von den umgebenden Werkzeugen abhängt. Folgenreiche Aktionen eines Agenten sollen Menschen deshalb weiterhin bestätigen.[f] Einen vollständigen Sicherheitsbericht hat Meta angekündigt, aber noch nicht veröffentlicht.[d]

Bezahlen statt herunterladen

Muse Wonder ist über Metas Programmierschnittstelle (Meta Model API) und den Programmierassistenten Muse Code nutzbar. Die API kostet laut Meta 4 US-Dollar pro Million eingegebener und 20 US-Dollar pro Million ausgegebener Token, also Textbausteine. Websuchen des Modells berechnet Meta zusätzlich mit 2,50 US-Dollar pro 1.000 Anfragen.[b] Der Tokenpreis entspricht dem Listenpreis von Claude Opus 5.5. Das Kontextfenster fasst rund eine Million Token.[f]

In Muse Code ist Muse Wonder in allen Abos enthalten, die bei 5 US-Dollar im Monat beginnen. Das stärkere Wonder Full gibt es nicht über die API, sondern nur in zwei Muse-Code-Tarifen: „Power Usage“ für 50 US-Dollar und „Maximum Usage“ für 200 US-Dollar im Monat.[c] Beide Modelle sind proprietär; die Modellgewichte, also die trainierten Parameter, stehen nicht zum Download bereit.[f] Ob sie später veröffentlicht werden, hat Meta nicht gesagt.[j]

Porträt von Mark Zuckerberg, Gründer und Chef von Meta Platforms
Meta-Chef Mark Zuckerberg (Archivbild, September 2025). Foto: Jeff Sainlar / Meta, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0, zugeschnitten CC BY-SA 4.0 · Bearbeitung (Zuschnitt) unter gleicher Lizenz. Nachweis (öffnet in neuem Tab)

Meta-Chef Mark Zuckerberg (Archivbild, September 2025). Foto: Jeff Sainlar / Meta, Wikimedia Commons (öffnet in neuem Tab), CC BY-SA 4.0 (öffnet in neuem Tab), zugeschnitten

Der Aufwand dahinter ist erheblich. Meta hat nach eigenen Angaben mehr als ein Jahr und zweistellige Milliardenbeträge in den Umbau seiner KI-Sparte gesteckt und rechnet für dieses Jahr mit KI-Ausgaben von bis zu 145 Milliarden US-Dollar. Meta-Chef Mark Zuckerberg sagte der Financial Times, dafür seien große Mengen an Rechenleistung und Investitionen nötig gewesen.[g] Trainiert wurden die Modelle im Rechenzentrum Prometheus in Ohio.[e]

Datenschutz: Mitmachen ist voreingestellt

Wer Wonder über die API nutzt, arbeitet im sogenannten Standardmodus. Den Contributor-Modus, in dem Meta Inhalte zum Training verwenden darf, bietet Meta für Wonder in der API nicht an.[b] Bei den Muse-Code-Abos ist dieser Modus dagegen voreingestellt: Meta darf Prompts, Code, Dateien und Ausgaben nutzen, um künftige Modelle zu verbessern. Abschalten lässt sich das nur für künftige Eingaben. Vertrauliche oder personenbezogene Daten dürfen laut Metas Bedingungen in diesem Modus gar nicht eingegeben werden.[f]

Das betrifft gerade das stärkere Modell: Wer Wonder Full will, braucht ein Muse-Code-Abo und muss den Contributor-Modus aktiv abschalten, wenn seine Daten nicht ins Training fließen sollen. Eine Option ohne Datenspeicherung (Zero Data Retention) gibt es nur für geprüfte API-Organisationen und mit Einschränkungen, etwa ohne Datei-Uploads und eingebaute Websuche.[f]

Was das für Nutzer in Deutschland heißt

Über die Verbraucher-App kommen Privatnutzer in Deutschland vorerst nicht an Wonder heran. Die App Muse, in die Wonder zuerst für zahlende Kunden einziehen soll, gibt es bislang nur in den USA und Kanada. Einen Termin für Europa nennt Meta nicht. Auch für die API und Muse Code hat Meta keine Länderliste veröffentlicht.[i]

Regulatorisch ist ebenfalls einiges offen. Ob Meta die Gewichte veröffentlicht, entscheidet mit darüber, welche Pflichten der EU AI Act dem Konzern auferlegt. Den Verhaltenskodex der EU, der diese Pflichten konkretisiert, hat Meta nicht unterzeichnet.[j]

Einordnung

Muse Wonder ist für Meta ein Wendepunkt: Nach mehr als einem Jahr Umbau spielt der Konzern wieder in der Liga von Anthropic, OpenAI und Google mit. Der Vorsprung der Konkurrenz ist klein, aber messbar, und Metas stärkste Werte stammen bislang vor allem aus der eigenen Modellkarte. Für Leser in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Nachricht vorerst eher ein Signal für den Wettbewerb als ein neues Werkzeug: Die App fehlt, die Verfügbarkeit der Profi-Zugänge ist ungeklärt, und wer zahlt, sollte die Datenschutz-Voreinstellung prüfen.

Häufige Fragen

Kann ich Muse Wonder in Deutschland nutzen?
Über die App Muse nicht: Sie ist bislang nur in den USA und Kanada verfügbar. Für API und Muse Code hat Meta keine Länderliste veröffentlicht.[i]
Was kostet Muse Wonder?
Über die API laut Meta 4 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 20 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token.[b] In Muse Code ist Wonder ab 5 US-Dollar im Monat enthalten, Wonder Full ab 50 US-Dollar im Monat.[c]
Nutzt Meta meine Eingaben zum Training?
Bei der API laut Meta nicht, dort gibt es für Wonder nur den Standardmodus.[b] In Muse-Code-Abos ist der Contributor-Modus voreingestellt, in dem Meta Eingaben und Ausgaben zum Training nutzen darf; er lässt sich für künftige Eingaben abschalten.[f]
Ist Muse Wonder ein offenes Modell?
Nein. Beide Wonder-Modelle sind proprietär, die Gewichte lassen sich nicht herunterladen. Ob Meta sie später freigibt, ist offen.[j]

Titelbild: Eingang zum Meta-Hauptsitz in Menlo Park, Kalifornien (Archivbild, März 2022). Foto: LPS.1 / Wikimedia Commons, CC0.

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Quellen & Methodik

  1. [a]
  2. [b]
  3. [c]
  4. [d]
  5. [e]
  6. [f]
  7. [g]
  8. [h]
  9. [i]
  10. [j]