Apple hat am 14. September 2026 iOS 27, iPadOS 27, macOS 27 Golden Gate, watchOS 27, tvOS 27 und visionOS 27 freigegeben – in Deutschland um 19 Uhr, nach der Ankündigung auf dem „Surprise and shine“-Event. Das Herzstück des Updates, der komplett neu gebaute KI-Assistent Siri AI, startet zunächst als Beta für englischsprachige Geräte – für EU- und China-Nutzer würden die Probleme „noch ausgearbeitet“. Für iPhone- und iPad-Besitzer in Deutschland, Österreich und – indirekt – der Schweiz heißt das: Das teuerste Feature des Jahres bleibt vorerst eine Leerstelle.[d][a]
Das ist kein Zufall und kein Einzelfall. Es ist die zweite Runde eines Konflikts, dessen Logik sich 2024 schon einmal exakt so abgespielt hat – und der offenlegt, dass Europa für Apple derzeit kein Launch-Markt für KI ist, sondern ein Nachzügler-Territorium mit offenem Ausgang.
Zwei Lesarten desselben Gesetzes
Apples Version der Geschichte steht im eigenen Newsroom: Die EU-Kommission habe jeden Lösungsvorschlag abgelehnt, einschließlich einer beantragten 18-monatigen Ausnahme von den DMA-Interoperabilitätspflichten. Software-Chef Craig Federighi erklärte, es gebe derzeit keinen Zeitplan für Siri AI auf iOS und iPadOS in der EU. Der technische Kern des Arguments: Um die Interoperabilitätsvorgaben zu erfüllen, müsste Apple Drittanbieter-Assistenten denselben tiefen Systemzugang gewähren wie Siri AI – also Nachrichten lesen, Zahlungen auslösen, App-übergreifend handeln. Genau darin sieht Apple ein erhebliches Sicherheitsrisiko.[f][i]
Diese Position wird gestützt vom International Center for Law & Economics – einem wirtschaftsliberalen Institut mit bekannt regulierungsskeptischer Grundhaltung. Das entwertet das technische Argument nicht, verlangt aber Einordnung: Es handelt sich um eine interessengeleitete Stimme, nicht um eine neutrale Fachprüfung.
Die Gegenseite widerspricht ungewöhnlich deutlich. Kommissionssprecher Thomas Regnier bezeichnete die Verzögerung als „Apples und nur Apples“ Entscheidung – nichts im DMA verbiete es Apple, neue Produkte in der EU einzuführen. Apples vorgeschlagener „Trusted System Agent“ (TSA) wurde von der Kommission als Bitte um eine pauschale Interoperabilitätserleichterung zurückgewiesen.[g][h]
Der entscheidende Punkt, den unabhängige Beobachter herausarbeiten: Der TSA existierte zum Zeitpunkt des Antrags noch gar nicht – er sollte während des 18-monatigen Fensters erst gebaut werden. Apple wollte also sofort ausliefern, gegen das Versprechen künftiger Öffnung. Aus Sicht der Kommission wäre das faktisch ein anderthalbjähriges Exklusivitätsfenster für Siri AI gewesen, bevor konkurrierende Assistenten gleichwertigen Zugang bekommen hätten. Wer diese Chronologie ernst nimmt, sieht kein Gesetz, das ein Produkt verhindert, sondern zwei Parteien, die um einen Zeitvorteil streiten.[j][g]

Das Muster: 2024 war die Generalprobe
Wer die Lage von 2026 verstehen will, muss zwei Jahre zurückblicken. Schon bei der Vorstellung von Apple Intelligence 2024 kommunizierte Apple, der DMA verhindere einen sofortigen EU-Rollout. Aufgelöst wurde das erst mit iOS 18.4, das am 31. März 2025 – einen Tag früher als geplant – erschien und Apple Intelligence vollständig in die EU brachte.[k][l]
Aus dieser Vorgeschichte lässt sich eine grobe Erwartung ableiten – rund ein halbes Jahr Verzug zwischen globalem Start und EU-Nachzug. Aber Vorsicht: Der Fall 2026 ist härter. 2024 gab es am Ende eine Lösung im Rahmen eines Point-Releases. Diesmal nennt Apple explizit keinen Zeitplan. Die Analogie zu iOS 18.4 ist deshalb eine Hoffnung, keine Prognose.[f]
Die Gemini-Komplikation
TechTimes und AI/TLDR berichten, dass Siri AI auf Googles Gemini basiert. Sollte sich das bestätigen, würde es den Konflikt um den Zugang zum iPhone zusätzlich verschärfen: Ein Gatekeeper würde einem anderen Gatekeeper privilegierten Systemzugang verschaffen, während Dritten derselbe Zugang verweigert bleibt. Genau das ist der Fall, für den der DMA geschrieben wurde.[h][g]
Warum der Mac funktioniert – und das iPhone nicht
Der aufschlussreichste Beleg dafür, dass hier Regulierungsarchitektur und nicht Technik entscheidet: Siri AI ist auf macOS 27 und visionOS 27 auch in der EU verfügbar, weil diese Plattformen nicht unter die DMA-Gatekeeper-Pflichten fallen. Auf iOS 27, iPadOS 27 und watchOS 27 dagegen können EU-Entwickler Siri-AI-Funktionen weder testen noch in Apps integrieren.
Diese Asymmetrie ist die eigentliche Nachricht. Sie zeigt, dass Apple das Feature technisch längst für Europa ausliefern kann – nur eben nicht dort, wo Interoperabilitätspflichten greifen. Eine direkte Folge darüber hinaus: Ein europäisches Entwicklerteam, das eine App mit Siri-AI-Integration für den Weltmarkt bauen will, steht vor dem praktischen Problem, diese Funktion auf dem iPhone nicht ausprobieren zu können – dem Gerät, auf dem der Großteil der App-Nutzung stattfindet. Ob Apple diesen Zustand durch Testumgebungen oder Developer-Programme abmildert, hat das Unternehmen nicht kommuniziert. Der Standortnachteil trifft also nicht nur Konsumenten, sondern potenziell auch die Software-Wertschöpfung selbst.
Was das für DACH konkret bedeutet
Für Kaufentscheidungen zählt die tatsächliche Verfügbarkeit von Siri AI – nicht die Ankündigung beim globalen Start. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied und damit formal nicht an den DMA gebunden; ob Apple die Feature-Sperre dort trotzdem anwendet oder Siri AI für Schweizer Nutzer freigibt, hat das Unternehmen nicht kommuniziert – die Frage bleibt offen, für Kaufentscheidungen in der Schweiz aber relevant.
Die deutschsprachige Presseschau fällt nüchtern aus: iOS 27 wirkt im Alltag runder, Siri AI hilft dort, wo es verfügbar ist, spürbar – bleibt aber langsam und startet in der EU vorerst eben nicht. Übersetzt: Wer in der DACH-Region auf iOS 27 aktualisiert, bekommt ein solides Wartungsupdate mit verfeinerter Liquid-Glass-Optik – aber nicht das Produkt, für das Apple die Werbetrommel gerührt hat.[e][c]

Die zweite Zäsur: Intel-Macs sind raus
Parallel vollzieht Apple beim Mac einen Schnitt, der im Siri-Getöse untergeht: macOS 27 Golden Gate läuft auf allen Macs mit Apple Silicon, aber nicht mehr auf Intel-Macs. Das letzte große Update für Intel-Hardware war macOS Tahoe im Vorjahr. Zugleich ist Golden Gate die letzte macOS-Version, die Rosetta für Intel-Apps unterstützt.[b][c]
Für Unternehmen in DACH mit gewachsenen Mac-Flotten ist das der härtere Termin. Wer noch Intel-Software im Einsatz hat, hat mit macOS 27 ein definiertes Ablaufdatum: Nach dieser Version ist Schluss mit der Übersetzungsschicht. Wie viele Intel-Macs in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch produktiv laufen, ist öffentlich nicht beziffert – die Migrationsplanung sollte deshalb jetzt beginnen und nicht erst beim nächsten Major-Release.
Offene Fragen, die niemand beantwortet
- Zeitplan: Apple hat ausdrücklich keinen genannt. Ob es eine Wiederholung des iOS-18.4-Musters gibt, ist Spekulation.[f]
- AI Act: Apple begründet die Verzögerung ausschließlich mit dem DMA. Welche Rolle der parallel geltende EU AI Act spielt, hat das Unternehmen nicht kommentiert.
- Verbraucherschutz: Eine Stellungnahme deutscher, österreichischer oder Schweizer Verbraucherschutz- oder Datenschutzbehörden zur Feature-Sperre liegt bislang nicht vor.
- Wettbewerbsvergleich: Ob Google mit Gemini oder Samsung mit Galaxy AI vergleichbare DMA-bedingte Verzögerungen erlebt haben, ist nicht belegt – Apple könnte ein Sonderfall sein oder nur der lauteste.
Fazit: Struktur, nicht Pech
Die verbreitete Erzählung lautet: Brüssel verhindert Innovation. Die Gegenerzählung lautet: Apple verweigert Öffnung und nutzt Nutzer als Druckmittel. Beide sind zu einfach. Was tatsächlich vorliegt, ist ein Auslegungskonflikt über den Umfang von Interoperabilität bei einem Feature, das per Definition tief ins System greifen muss – und der jedes Mal neu ausgefochten wird, wenn Apple eine neue Assistenzgeneration ausliefert.
Solange es keine belastbare Vorab-Klärung zwischen Gatekeepern und Kommission gibt, wird sich das Muster wiederholen: globaler Launch, EU-Ausnahme, Monate der Verhandlung, irgendwann ein Nachzug. Für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz bedeutet das eine praktische Konsequenz beim Kauf eines neuen iPhones – beworbene KI-Funktionen sind hier nicht Teil des Lieferumfangs, sondern eine Option mit unbestimmtem Termin. Diese Erwartungshaltung sollte man in jede Kaufentscheidung einpreisen.
