Anthropic hat Claude Opus 5.5 veröffentlicht, ein großes Sprachmodell (Large Language Model) für komplexe Wissens- und Programmieraufgaben. Laut Anthropic ist es das erste Modell der neuen Claude-5.5-Familie und ab sofort auf allen Plattformen verfügbar, darunter Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure.
Bei den Kosten verspricht Anthropic deutliche Einsparungen gegenüber dem Vorgänger: Input-Token kosten 4 US-Dollar pro Million (zuvor 5 Dollar), Output-Token 20 Dollar (zuvor 25 Dollar), und Cache-Lesezugriffe – die laut Anthropic den Großteil der Kosten bei Agenten- und Programmieraufgaben ausmachen – sinken von 0,50 auf 0,20 Dollar pro Million Token. Die Ausgabegeschwindigkeit soll zudem um mehr als 30 Prozent höher liegen als bei Opus 5.
Anthropic hebt besonders die Leistung bei lang laufenden Programmieraufgaben hervor. Als Beispiel nennt das Unternehmen eine Code-Migration über 680.000 Zeilen, die ein Tester in weniger als einem Tag abgeschlossen haben soll – ein Aufwand, der einem Entwicklerteam laut Anthropic mehrere Wochen gekostet hätte. Auf einem internen Ladezeit-Optimierungstest soll Opus 5.5 bei 39 von 40 Versuchen erfolgreich gewesen sein; Opus 5 habe laut Anthropic zwar kleinere Verbesserungen erzielt, dabei aber auch das Verhalten der App verändert.
Im Bereich Sicherheit und Alignment – also der Ausrichtung des Modells auf menschliche Werte und Vorgaben – erzielt Opus 5.5 nach Angaben von Anthropic die bisher besten Werte im hauseigenen automatisierten Verhaltensaudit über fast 2.000 Szenarien. Das Modell soll deutlich seltener nicht umkehrbare Aktionen einleiten oder außerhalb gesetzter Grenzen handeln. Aufgrund vergleichbar hoher Fähigkeiten in Biologie und Cybersicherheit gelten für Opus 5.5 dieselben Schutzmaßnahmen wie für Claude Fable 5.1; viele Cybersicherheitsaufgaben werden automatisch an das ältere Modell Opus 4.8 weitergeleitet. Biologieforscher können über ein neues Verifizierungsprogramm Zugang zu weniger eingeschränkten Einstellungen beantragen.
Anthropic setzt die Veröffentlichung in den Kontext seiner öffentlich geäußerten Forderung nach einem kontrollierteren Tempo bei der KI-Entwicklung. CEO Dario Amodei hatte zuletzt argumentiert, Sicherheitspraktiken müssten mit den Fähigkeiten der Modelle Schritt halten. Das Unternehmen gibt an, Opus 5.5 vor der Veröffentlichung von externen Gutachtern – darunter Frontier Design und METR – testen lassen zu haben. Weitere Modelle der 5.5-Familie (Sonnet 5.5 und Haiku 5.5) sollen in den kommenden Wochen folgen.
