Google hat am 28. Oktober 2026 Gemini 4 Carbon angekündigt, ein neues Frontier-KI-Modell, also ein KI-System der aktuellen Leistungsspitze, das laut Hersteller vor allem auf Cybersicherheit und lange, mehrstufige Aufgaben ausgelegt ist. Carbon folgt auf Gemini 4 Argon, das Google erst zwei Wochen zuvor vorgestellt hatte. Der Einführungspreis entspricht dem von Argon: 2 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token; gecachte Eingabe-Token sollen 95 Prozent günstiger sein.[a]
Der Zugang ist gestuft: Ab dieser Woche erhält laut Google eine Auswahl von Cyber-Verteidigern das Modell, weitere Partner folgen schrittweise über das sogenannte Fairwind-Programm. Entwickler, Unternehmen und Verbraucher sollen Carbon über Googles Produkte „so bald wie möglich“ bekommen; einen Termin nennt die Mitteilung nicht. Google beteiligt sich nach eigenen Angaben am freiwilligen Verfahren der US-Regierung für Modelltests vor der Veröffentlichung.[a]
Zur Leistung macht Google ausschließlich eigene Angaben: Im Intelligence Index v5.0 des Bewertungsportals Artificial Analysis liege Carbon mit 59 Punkten auf Platz 1. Für Sicherheitsaufgaben nennt Google 88,2 Prozent auf SEC-bench Pro (Schwachstellen finden), 54,8 Prozent auf ExploitGym (Ausnutzbarkeit prüfen) und 71,0 Prozent auf CWE-bench (Lücken patchen), gemessen ohne Schutzmaßnahmen. Bei der Erzeugung sicheren Codes soll die Erfolgsrate intern mehr als doppelt so hoch sein wie bei Argon; auf WebDev Arena steht Carbon laut Google mit 1769 Elo-Punkten auf Platz 4. Keiner dieser Werte ist bislang unabhängig überprüft.[a]
Beim Thema Sicherheit des Modells selbst berichtet Google von 0,0 Prozent erfolgreichem Schummeln auf Terminal-Bench 4.0, rund 80 Prozent weniger schwerwiegenden Fehlverhaltens-Warnungen in internen Coding-Umgebungen, etwa halb so vielen unbelegten Behauptungen wie bei Argon und einer Erfolgsquote von 0,0 Prozent für Angriffe im Benchmark von Gray Swan für indirekte Prompt-Injection, also eingeschleuste Befehle in verarbeiteten Inhalten (Argon: 0,7 Prozent).[a]
Einordnung
Google zieht das Tempo an: Argon wurde am 30. September angekündigt, ist inzwischen in der Gemini-App verfügbar[b] und wird nun bereits von Carbon als Spitzenmodell abgelöst. Den gestuften Start über das Fairwind-Programm wiederholt Google dabei. Für Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz heißt das vorerst: kein Zugang und kein Datum. Ob Carbon seine Versprechen hält, lässt sich erst prüfen, wenn unabhängige Tests außerhalb von Googles Partnerkreis möglich sind.[a]
